15/07/2026
Eine Woche ist nun vergangen. Eine Woche, seit ich das letzte Mal ihr weiches Fell berührt, ihre spitzen Öhrchen gestreichelt habe.
Im Tod sah sie anders aus, als ob sie gar nicht mehr unsere Anouk war, quasi eine leere Hülle. Ihre große und weise Seele hat einfach den Körper verlassen und nur eine Art Verkleidung blieb zurück. Ich weiß noch, dass ich sofort das Fenster öffnete denn ich habe gelernt, dass man dies nach dem Tod so macht.
Irgendwie war es tröstlich, dass sie nicht mehr wie sie selbst aussah, da ich sie so einfacher zurück lassen konnte.
Die Trauer kommt in Wellen, sagt man und ich verstehe das nur zu gut. In einem Moment lebt man den Alltag und geht seiner Wege, nur um eine Minute später wieder in eine bleierne Bewegungslosigkeit zu verfallen und das Gefühl zu haben nicht atmen zu können. Diese Schwere auf dem Brustkorb, diese Trägheit, die einen wie in Zeitlupe durch das Haus laufen lässt, ist momentan wirklich ein Problem. Ich kann mich zu kaum etwas aufraffen und mir ist aber bewusst, dass ich die Verantwortung für ein paar weitere Fellnasen hier habe.
Es wird zwar täglich etwas besser aber noch graust es mir vor der Nacht. Die Stille ist schlecht zu ertragen und ich quäle mich mit dunklen Gedanken, denen ich momentan noch nicht Herr werde.
Ich wusste, dass Kaya extrem emphatisch ist. Sie klebt momentan an mir und versucht mich (teils recht grob) aus der Trauer zu ziehen. Selbst wenn sie sich in anderen Räumen befindet, merkt sie sofort wenn mich wieder etwas überrennt. Sie legt sich zu mir und schaut mich mit ihren großen Knopfaugen an als ob sie aufrichtig dem Problem auf den Grund gehen will.
Der zweite Hund, der mich zugegeben mit seiner tiefen Sorge wirklich überrascht hat, ist unser evil Rudi. Er hasst nahezu alles, was einen Schatten wirft und neigt dazu unberechenbar zu sein mit einer fast nicht vorhandenen Zündschnur. Dieser Tage jedoch ist er in seiner gesamten Präsenz sehr weich und trotz der Tatsache, dass ihm gewiss unendlich warm ist, legt er sich nachts quer auf mich und verfolgt mich auf Schritt und Tritt, um mich wie ein gerichtlich bestellter Betreuer permanent zu beäugen und zu beobachten.
Wenn der Tod von Anouk etwas Gutes hatte, dann dass ich das Zusammensein mit unseren restlichen Hunden regelrecht aufsauge. Wenn mich Timmy anspringt, umarme ich ihn und lasse ihn so lange an mir kleben wie er möchte. Wenn Skip mir seine Plüsch-Avocado bringt, bewundere ich sie und bedanke mich überschwänglich für das Geschenk (was er natürlich direkt zurück möchte). Wenn Ronja mich anknurrt, weil ich sie im Bett versehentlich angerempelt habe, entschuldige ich mich aufrichtig. Wenn mir Pepe vor lauter unbändigem Hunger in die Finger schnappt, beeile ich mich einfach mit der Zubereitung des Essens.
Ich mache mir zuweilen Vorwürfe, dass ich Anouk zu häufig ignoriert habe, weil mir irgendein Quatsch in dem Moment wichtiger erschien. Vermutlich werden diese Momente auch in Zukunft immer mal wieder vorkommen aber Anouk zu Ehren werde ich nun versuchen alles noch viel bewusster zu erleben, das Handy häufiger beiseite zu legen und einfach die Zeit noch intensiver zu genießen. Man weiß nie wann sie vorbei ist.
Es wird nun der letzte Post dieser Art sein. Ich werde auf lange Sicht damit klar kommen. Müssen. In einem Trauerforum las ich einmal, dass die Zeit auf der Erde sehr viel schneller vergehen soll als im Himmel. Das ist ein schöner Gedanke, da all unsere Lieben, die bereits voraus gegangen sind, vermutlich nicht einmal dazu kommen uns zu vermissen. Für sie ist es nur ein kurzer Augenblick ohne uns, während wir sie so lange so unendlich vermissen.
Herzt heute in Andenken an Anouk eure Hunde (bzw. all eure Tiere) und genießt diesen Moment ganz bewusst mit allen Sinnen. Denn sie sind es wert unsere volle Aufmerksamkeit zu erhalten…