13/06/2026
🕍 In Berat wurden zwei der faszinierendsten Bücherschätze der Menschheit über Jahrhunderte wie ein Augapfel gehütet: der Codex Purpureus Beratinus (6. Jahrhundert) und der Codex Aureus Beratinus (9. Jahrhundert). Beide Meisterwerke stehen heute völlig zu Recht auf der Liste des UNESCO-Weltdokumentenerbes.
Dass diese Schätze ausgerechnet in Albanien bewahrt wurden, ist kein Zufall. Die Region blickt auf eine tief verwurzelte christliche Tradition zurück, denn die Vorfahren der heutigen Albaner gehörten zu den allerersten Völkern Europas, die das Christentum annahmen. Diese jahrhundertealte Verbindung zum Glauben erklärt auch, warum die Gläubigen und Kleriker in Berat die Evangelien über Generationen hinweg unter Einsatz ihres Lebens beschützten.
Die dramatischste Bewährungsprobe kam im Zweiten Weltkrieg, als deutsche Truppen gezielt nach den Schätzen suchten. Die Einwohner hielten jedoch eisern dicht und versteckten die Kodizes in einer geheimen Nische unter dem Altar der St.-Marien-Kirche. Selbst die rigorose Kirchenverfolgung während des späteren kommunistischen Regimes überstanden die Dokumente unbeschadet im Verborgenen, bevor sie in den 1970er Jahren sicher geborgen und restauriert werden konnten.
Für die Welt sind diese Funde eine absolute Sensation. Zum einen ist der ältere Codex Beratinus 1 auf purpurgefärbtem Pergament mit silberner und goldener Tinte geschrieben – von dieser exklusiven Qualität existieren weltweit überhaupt nur noch sieben Exemplare aus jener Epoche. Zum anderen bieten die Texte der modernen Forschung einen unschätzbaren, unverfälschten Blick auf die früheste Entwicklung des Neuen Testaments. Am Ende sind die Kodizes von Berat aber vor allem ein Beweis für das tiefe historische Erbe der Region und dafür, was für Wunder möglich sind, wenn eine Gemeinschaft zusammenhält, um ihre Kultur vor dem Untergang zu retten.
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