20/08/2026
Heute vor 81 Jahren starb im Exil in New York Alexander Friedrich Ladislaus Roda Roda, eigentlich Sándor Friedrich Rosenfeld.
Geboren am 13. April 1872 in Drnowitz bei Wischau, bezeichnete sich der Schriftsteller, Satiriker und Publizist selbst als „Dichter Österreich-Ungarns“ - und das war er! Sein Werk besteht großteils aus humoristischen bzw. satirischen Erzählungen und Romanen, in welchen er in liebevoll-nachsichtiger Weise die Schwächen und Kuriositäten der Donaumonarchie und besonders des k. u. k. Offizierskorps aufs Korn nahm.
Die Titel seiner Werke sprechen für sich:
• Eines Esels Kinnbacke. Schwänke und Schnurren, Satiren und Gleichnisse.
• Adelige Geschichten.
• Von Bienen, Drohnen und Baronen.
• Schummler, Bummler, Rossetummler. Balkangeschichten.
Erfolgreich waren er aber auch nit seinen Drehbüchern, so z.B. für "Der Feldherrnhügel" verfilmt 1926 als Stummfilm und 1932 als Tonfilm, beide Male mit Roda Roda in der Rolle des Korpskommandanten.
Bei seinem Erscheinen als Buch war der Feldherrenhügel allerdings ein veritabler Skandal!
Wegen der „Beleidigung von Militärpersonen“ wurde das Stück nach 19 Aufführungen im Jahr 1910 verboten. Der zuständige Zensurbeamte soll damals den beiden Autoren mitgeteilt haben, dass das Werk nicht mehr aufgeführt werde, „so lange die österreichisch-ungarische Monarchie besteht“. Sein Freund und Mitautor Carl Rößler tröstete Roda Roda daraufhin mit den Worten: „Kränk dich nicht, Roda, die paar Wochen wart’ ma halt noch.“
Nachdem er durch eine Satire auf Hi**er im Berliner Tagblatt aufgefallen war und Goebbels daraufhin seine "Unschädlichmachung" gefordert hatte floh er wenige Tage vor dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 in die Schweiz und - unfreiwillig - von dort weiter in die USA.
Zu seinem Rauswurf aus der Schweiz schrieb er „so im Vorübergehen“:
„Noch ein Umbruch in Europa, und in sämtlichen Staaten werden die Emigranten die Mehrheit haben. Es gibt manchmal politische Situationen, so verwickelt, dass man sie gar nicht falsch genug beurteilen kann. „Die stärkste Form der Kriegsführung“, sagt Clausewitz, „ist die tätige Defensive.“ Nein! Stärkste Form der Kriegsführung ist das Verharren in der Neutralität. Politik ist die Kunst, unerfüllbare Versprechungen zu machen und sich ihnen dann unter haltlosen, aber plausibeln Vorwänden zu entziehen. Ein Ausspruch des Doktors Vazsonya, des ehemaligen ungarischen Justizministers: „Ich sehe Leute, die vom Philosemitismus leben; noch viel mehr leben vom Antisemitismus. Wovon aber sollen die armen Juden leben?“ – Die Schweiz? Nein, die Schweiz wird ER intakt lassen. Denn wohin sollte ER sonst einst fliehen?“
– Roda Roda: In: Union. Blätter der Emigration, Jg. 1, #1, Johannesburg 27. Oktober 1939, S. 8
Am 20.August 1945 starb Alexander Roda Roda an Leukämie.
Kurt Tucholsky sagte einmal über ihn:
"Sein Deutsch ist musterhaft. Sein Stilgefühl ist unbeirrbar, er ist ein Wunder an Erzähltechnik."
Ein Grund mehr, wieder Roda Roda zu lesen!
Bildquelle Wikipedia Philipp Kester, Roda-Roda, 1913, Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie (FM-87/61.095.1)
CC BY-SA 4.0