31/08/2026
Hand aufs Herz. Wer kann Los Angeles wirklich vorurteilsfrei begegnen? Mit hoher Wahrscheinlichkeit kommen im Vorfeld eines Los-Angeles-Besuchs jede Menge Engramme hoch, die sich über Jahre oder gar Jahrzehnte durch eher oberflächliche Wahrnehmung medialer Meinungsbildung eingeprägt haben. Bilder, die sich bei unterschiedlichsten Menschen doch sehr gleichen: Von einem Horizont zum anderen riesige Flächen, die vom Beton kleiner bis sehr hoher Gebäude zugepflastert sind. Dazwischen weite Autobahnen mit vielspurigen Blechkarawanen, so weit das Auge reicht. Irgendwo taucht in der Vorstellung dann auch noch Hollywood auf mit seiner künstlichen Glimmer- und Glitzerwelt. Und natürlich Promis an jeder Ecke. Alles eingebettet in eine Kulturwüste mit durchweg seichter Unterhaltung. Wir wollen die Liste an dieser Stelle vorzeitig beenden und lassen vielleicht nur noch den letzten Zuruf „Arnold Schwarzenegger“ zu.
In der Tat ist Los Angeles oder lässig LA eine der sogenannten Megacities dieser Welt. Dreizehn Millionen Einwohner verteilen sich auf eine Region, die sich über hunderte von Kilometern von der Küste bis ins Gebirge erstreckt. Beim ersten Versuch einer geistigen Visualisierung hat jeder sofort LA Downtown vor Augen, mit seinem Manhattan sehr ähnlichen Hochhäuser-Arrangement. Aber wenn man dann genauer hinschaut, ist die Struktur der Stadt polyzentrisch, das heißt, es gibt nicht einen echten Stadtkern, sondern viele flächig verteilte Zentren und Distrikte.
Diese Stadtteile nennt man fast schon liebevoll „Neighborhoods“, was schon recht gut die Atmosphäre widerspiegelt, die dort ganz oft herrscht. Wenn sich eine Allee mit lila-blau blühenden Jacaranda-Bäumen durch ein Wohngebiet zieht, wenn die Postfrau für einen Smalltalk kurz stehenbleibt und wenn die junge Frau, die gerade ihren Hund ausführt, dem alten Mann mit seinem Rollator ihre Hilfe anbietet, dann ist das fast schon Dorfidylle. (…)
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