31/08/2026
Mitten im Indischen Ozean, weit draußen zwischen Afrika und Asien, liegt die Insel Mauritius. 1.700 Kilometer sind es bis zum afrikanischen Festland. Da müsste man ganz schön lange schwimmen, aber zum Glück liegt auf etwa der Hälfte der Strecke die fast dreihundertmal so große Insel Madagaskar, eine gute Gelegenheit für eine kurze Rast. Aber wieso sollte man überhaupt von Mauritius wegwollen?
Wie so viele tropische Paradiese wird Mauritius auf Hochglanzprospekten gerne auf zwei Dinge reduziert: Lagunen in allen Blautönen und Palmen, die sich im Wind wiegen. Austauschbar, denken Sie? Richtig. Aber wer hier ankommt, merkt schnell, dass Mauritius kein Postkartenmotiv voller Klischees ist – sondern ein einzigartiger Schmelztiegel an Menschen, Religionen, Sprachen, Landschaften, Kulinarik und Musik. Und vielleicht ist es gerade deshalb eine Insel, die man nicht nur besuchen, sondern auch spüren und verstehen sollte.
Ureinwohner gab es hier nie wirklich. Mauritius war lange unbewohnt, gelegentlich nur von arabischen Seefahrern gestreift, bis die Europäer kamen – und blieben. Und das überwiegend recht lange. 93 Jahre die Portugiesen, 112 Jahre die Niederländer, 98 Jahre die Franzosen und zuletzt für 150 Jahre die Briten, bevor Mauritius 1968 die Unabhängigkeit erlangte. Jede Kolonialmacht hinterließ ihre Spuren, ihre Namen, ihre Narben. Die Niederländer waren es, die die Insel nach ihrem Prinzen Moritz von Oranien „Mauritius“ tauften – ein Name, der bis heute Bestand hat. Die Franzosen unternahmen irgendwann später den Versuch, sich im Namen der Insel zu verewigen, und nannten sie „Île de France“, was im offiziellen wie inoffiziellen Leben allerdings heute nur eine Nebenrolle spielt. Andererseits ist Mauritius trotz der darauf folgenden langen britischen Kolonialzeit kulturell erstaunlich französisch geblieben. Vielleicht, weil die Briten – ganz im Sinne der royalen Höflichkeitsetikette – nur wenig in die bestehenden Strukturen eingriffen. Französisch blieb die Sprache der Oberschicht, der Medien, der Kultur. Englisch wurde Verwaltungssprache, Parlamentssprache. Und im Alltag? Da spricht man mit Leib und Seele Morisyen.