08/03/2016
Der Zauber der polnischen Ostsee: Feine Sandstrände, angrenzende Kiefernhaine und ich...mittendrin. Irgendwo zwischen Strand und Wald. Am Hang. Bis zu den Knien im Schlick. Grauem, matschigem Schlick. Mein rechter Stiefel- komplett verschwunden.
Und einmal mehr frage ich mich: Warum passiert eigentlich immer mir so was? Egal, andere bezahlen viel Geld für eine Schlammbehandlung. Klar ist, diesen Weg sollten wir beim nächsten Mal nicht nehmen. Rechts neben mir höre ich den Fotografen sowas grinsen wie „Ist mir auch schon mal passiert.“ Soll wohl trösten. Ich hoffe nur, dass seine Kamera gerade tief unten im Rucksack verstaut ist.
Der Boden unter meinen Füßen gibt weiter nach. Unten angekommen bin ich dann komplett schlammverschmiert. Einzig die Handschuhe sind trocken geblieben. Und während ich an den Strand stolpere, stopfe ich sie schnell in die Hose, um meinen Hintern vor Erfrierungen zu schützen.
Der Fotograf steht da, nahezu eins mit der Umgebung, genießt die Luft, das Rauschen der Wellen, den Wind, das Licht: „Perfekte Location!“. „Grmpf!“ denke ich nur. Vor meinem inneren Auge entsteht schon schon einen Masterplan, wie ich am besten ungesehen ins Hotel gelange. Aber das ist eine andere Geschichte.
Er hingegen steht da. Ganz ruhig. Naturverbunden. Zufrieden.
Wie macht er das nur? Und einmal mehr bin ich froh, dass er mich immer mal wieder aus meinem 24/7-Unter-Strom-Organisier-Gedankenkarussell rausholt, in die Natur verfrachtet und mich daran erinnert: perfekter Ort, perfekte Zeit. Hier und Jetzt.
Und plötzlich werde auch ich ganz ruhig, der Kopf wird still, die Haut spürt das Salz, der Blick verliert sich im Horizont.
Das Klicken des Auslösers nehme ich nur aus weiter Ferne wahr. „Der hat NICHT das Meer fotografiert!“ jammert ein schlammverzerrtes Stimmchen aus den Tiefen meines Bewußtseins. „Keine Sorge!“, beruhige ich es und atme die salzige Luft. „Das klären wir später!“