24/01/2026
Moskau Reisetipp: die Tretyakov-Galerie gehört zu den wichtigsten Galerien klassischer Kunstwerke weltweit. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf russischen Malern.
Bemerkenswert ist der Ursprung der Sammlung. Pavel Tretyakov, der Begründer der berühmten Tretyakow-Galerie, finanzierte seine umfangreiche Kunstsammlung (russische Malerei vor allem) fast ausschließlich aus seinem eigenen unternehmerischen Vermögen. Er stammte aus einer alteingesessenen Moskauer Kaufmannsfamilie (hereditäre Händler). Die Familie Tretyakow war bereits seit Generationen im Handel tätig:
• Der Großvater exportierte u. a. Schweinefett/Speck (Lard) nach England.
• Der Vater baute das Geschäft weiter aus und legte den Grundstein für größeren Wohlstand.
Zusammen mit seinem Bruder Sergei baute Pawel das Familienunternehmen massiv aus. Die entscheidenden Quellen seines Reichtums waren:
• Textilindustrie (Baumwollspinnereien und -fabriken / Baumwollmühlen), die sie errichteten – diese beschäftigten zeitweise mehrere tausend Arbeiter (ca. 5.000).
• Handel mit Leinen, Baumwolle und anderen Textilrohstoffen.
• Beteiligung an der Gründung der Moskauer Kaufmannsbank (Moscow Merchant Bank), die ebenfalls sehr profitabel war.
Tretyakov war also ein sehr erfolgreicher Industrieller und Bankier der zweiten Generation – kein Aristokrat oder Staatsbeamter, sondern ein klassischer self-made reicher Moskauer Kaufmann der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Er lebte dabei extrem sparsam (aß einfach, gab wenig für Luxus aus, kleidete sich bescheiden), um möglichst viel Geld in Kunst und Wohltätigkeit zu stecken. Seine Sammlung (über 1.300 Werke zu seinen Lebzeiten) und der Bau der Galerie wurden fast komplett aus diesem selbst erwirtschafteten Vermögen bezahlt – 1892 übergab er die Sammlung und das Gebäude kostenlos der Stadt Moskau als Volksgalerie.
Kurz gesagt: Das Geld kam aus Textilfabriken, Textilhandel und Bankgeschäft – typisch für die aufstrebende Moskauer Kaufmannsschicht jener Zeit.
Nach der Oktoberrevolution führten die Bolschewiken die Sammlung fort - ebenfalls sehr ungewöhnlich in den Wirren der Revolution.