19/09/2026
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Felsgräber und Überreste eines römischen Militärlagers in Tell el-Yahudiya entdeckt
Neue archäologische Funde geben Einblicke in seltene Bestattungsformen im östlichen Nildelta
Bei Ausgrabungen in der archäologischen Stätte Tell el-Yahudiya im ägyptischen Gouvernement al-Qalyubiyya hat eine ägyptische Archäologenmission mehrere in den Fels gehauene Gräber unterschiedlicher Bauart freigelegt. Zugleich konnten weitere Überreste eines römischen Militärlagers nachgewiesen werden, das sich in den oberen Erdschichten über den Felsgräbern erstreckt.
Dr. Hisham El-Leithy, Generalsekretär des Obersten Rates für Altertümer, bezeichnete die Funde als wichtigen Beitrag zur Erforschung der Geschichte von Tell el-Yahudiya. Von besonderer Bedeutung sei nicht nur die architektonische Vielfalt der Gräber, sondern auch die Seltenheit solcher Anlagen im Nildelta. Aufgrund der dort vorherrschenden lehmigen Böden sind in den Fels gehauene Grabanlagen in dieser Region ungewöhnlich.
Die neuen Funde liefern daher wertvolle Erkenntnisse über Bestattungstraditionen und deren Entwicklung im östlichen Nildelta über verschiedene historische Epochen hinweg.
Die bei den Ausgrabungen entdeckten Grabbeigaben und weiteren archäologischen Fundstücke ermöglichten zudem eine genauere zeitliche Einordnung der Gräber. Nach bisherigen Erkenntnissen entstanden sie gegen Ende des Neuen Reiches und wurden bis in die ägyptische Spätzeit hinein genutzt. Dies deutet darauf hin, dass das Gebiet über einen langen Zeitraum hinweg als Begräbnisstätte diente.
Auch die weitere Freilegung des römischen Militärlagers oberhalb der Gräber erweitert das Wissen über die Geschichte des Fundortes. Sie zeigt, dass Tell el-Yahudiya über mehrere historische Perioden hinweg genutzt wurde und über lange Zeit eine strategische Bedeutung besaß.
Dr. Ayman Ashmawy, Berater des Generalsekretärs des Obersten Rates für Altertümer, zufolge lassen sich die neu entdeckten Gräber zwei wesentlichen Bautypen zuordnen.
Beim ersten Typ führt eine Treppe vom Eingang in eine Halle, in deren Wänden sich mehrere für Bestattungen genutzte Nischen befinden. Beim zweiten Typ führt ein rechteckiger Schacht zu zwei separaten Grabkammern.
Diese Grabformen gelten für die Region al-Qalyubiyya und das östliche Nildelta als besonders charakteristisch und zugleich selten. Ursache dafür ist vor allem die Bodenbeschaffenheit des Deltas, die die Anlage von Felsgräbern nur an wenigen geeigneten Stellen ermöglicht. Vergleichbare in den Fels gehauene Grabanlagen sind unter anderem aus Kom el-Shoqafa in Alexandria sowie aus Gebieten an der ägyptischen Mittelmeerküste bekannt.
Anwar Abdel Samad, Generaldirektor der Altertümerverwaltung von al-Qalyubiyya und Leiter der Ausgrabungsmission, erklärte, dass bei den Arbeiten außerdem zahlreiche bewegliche archäologische Fundstücke aus dem Umfeld der Gräber geborgen wurden. Sie lieferten wichtige Hinweise für die Datierung der Anlagen und die Bestimmung ihrer verschiedenen Nutzungsphasen.
Parallel dazu setzte das Team die Freilegung der Überreste des römischen Militärlagers in den oberen Schichten der Fundstätte fort.
Die aktuellen Entdeckungen unterstreichen die besondere historische Bedeutung von Tell el-Yahudiya. Die Stätte wird vor allem mit der Hyksos-Zeit in Verbindung gebracht, aus der ein großes Militärlager in diesem Gebiet bekannt ist. Auch in griechischer und römischer Zeit wurde der Standort weiter genutzt.
Die neuen Ausgrabungsergebnisse verdeutlichen damit die über Jahrhunderte hinweg anhaltende Bedeutung von Tell el-Yahudiya und eröffnen neue Einblicke in die Bestattungspraktiken sowie die militärische Nutzung des östlichen Nildeltas.