21/11/2025
Dominikanische Republik: Queerer S*x auch in Armee und Polizei des beliebten Urlaubslands nun straffrei
Polizist*innen und Soldat*innen in der Dominikanischen Republik dürfen S*x mit einer Person desselben Geschlechts haben, ohne Strafe befürchten zu müssen. Das Verfassungsgericht des karibischen Inselstaats erklärte am vergangenen Mittwoch die Gesetze, die für Verstöße (oder sogar nur den Versuch) Freiheitsstrafen von 6 Monaten sowie bis zu 2 Jahren bei Offizier*innen vorsahen, für „offensichtlich Verfassungswidrig“. Die Paragraphen widersprächen der Vernunft, diskriminierten grundlos Personen wegen ihrer sexuellen Orientierung, verletzten die Intimsphäre, die freie Persönlichkeitsentfaltung sowie das Recht auf Arbeit, begründeten die Richter*innen.
Die Reaktionen im Land, in dem Homosexualität für Zivilpersonen seit 1822 straffrei ist, sind geteilt, was sich in beiden großen Tageszeitungen des Landes, Hoy und Listín Diario, wiederspiegelt. Hoy macht sich Sorgen um die tatsächliche Umsetzung des Urteils, erinnert daran, dass die nun aufgehobenen Gesetze auf die Jahre der blutigen Diktatur von Rafael Leonidas Trujillo (1961bei einem Attentat getötet) und der autoritären Herrschaft seines Nachfolgers zurückgehen, solche diskriminierenden Paragraphen aber mit der heutigen, modernen Verfassung nicht mehr vereinbar seien und abgeschafft gehörten. „Breite Ablehnung im Land gegen das Urteil des Verfassungsgerichts“ titelt dagegen Listín Diario und zitiert vor allem Vertreter der mächtigen katholischen Kirche sowie der stark expandierenden ultrakonservativen Evangelikalen, die die christliche Familie, die Moral sowie Streitkräfte und Polizei bedroht sehen.
„Die Verteidiger der Bigotterie sind in der Dominikanischen Republik auf dem Rückzug, daher heulen sie so auf“, meint Thomas Kolb dazu, der als Reiseveranstalter maenner-unterwegs.de zeitweise in Hauptstadt Santo Domingo lebt. „Immer mehr queere Dominikaner*innen emanzipieren sich, leben in Partnerschaften ihrer Wahl, erkämpfen sich ihre Freiräume, auch wenn die Gesellschaft mehrheitlich konservativ ist. Das Thema wird auch immer mehr in der Öffentlichkeit diskutiert. Das lässt sich nicht mehr stoppen.“ Und so gibt es im Land nicht nur eine lebendige Bewegung für queere Rechte, sondern auch eine florierende queere Szene mit Bars, Nachtclubs und Saunen in Santo Domingo sowie in Santiago de los Caballeros, der zweitgrößten Stadt. Am Wochenende füllt sich abends ein malerischer Platz in der Altstadt von Santo Domingo mit G**s, Lesben, Transmenschen und alle, die sich sonst dort wohl fühlen.