23/08/2020
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Vor fünf Jahren sagte Angela Merkel diesen einen Satz, auf den sie oft reduziert wird. Es ist der Satz, an dem sich das ganze Land seit fünf Jahren reibt, abarbeitet, empört. Der Satz, der sie überleben wird.
"Wir schaffen das."
Es ist der Satz, den viele Wutkartoffeln für ihr schäbiges, reaktives Denkmuster auf das zynische und einfach zu schreiende "danke, Merkel!" eingedampft haben.
Der Satz wird jetzt rückwirkend beurteilt, historisch einordnet und er feiert in diesen Tagen ein kleines Jubiläum.
"Wir schaffen das."
Ich weiß nicht, wie ihr es seht – aber wenn ich vor einer überwältigend großen Aufgabe stehe, denke ich nicht: "Niemals! Das wird nix.", sondern: "Ok. Ich schaff das schon irgendwie."
Die Frage an die vielen Besserwisser, PEGIDA-Mitläufer und Hilfssheriffs da draußen ist, was Angela Merkel als Antwort auf die Flüchtlingskrise hätte sagen sollen. Und wie dieser Satz heute bewertet würde, hätte sie ihn gesagt. Zum Beispiel:
"Tja. Da können wir wohl nichts machen!"
Oder:
"Wir haben echt andere Probleme!"
Oder:
"Wir schaffen das nicht."
Man sollte bei der Betrachtung des Satzes übrigens nicht vergessen, dass er als mutmachende Reaktion auf die sogenannte "Flüchtlingskrise", die 82 Millionen Deutsche im Kopf hatten, kam.
Das Wort "Flüchtlingskrise", von Blättern wie der BILD ins Land gedrückt, war schon immer extrem und extrem falsch. Weil eine Krise eine ausweglose Situation ist, aus der man niemals unbeschadet rauskommt. Eine Krise macht Menschen Angst. Vor allen Dingen Menschen, die in einer sehr reichen Nation leben, denen es gut geht, die viel zu verlieren haben. Das Wort war und ist Gift.
Man hätte genau bei diesem Wort anfangen müssen – und es auf keinen Fall "Flüchtlingskrise" nennen dürfen. Zumal die einzigen, auf die das Wort "Flüchtlingskrise" zutrifft, die Geflüchteten sind.
Wie wäre wohl die Stimmung im Land gewesen, wenn man sie "Die größte Aufgabe des Jahres 2015" oder "Flüchtlingshilfe" oder "Flucht vor unmenschlichen Umständen" genannt hätte.
Aber es wurde die "Flüchtlingskrise". Und Angela Merkel reagierte mit ihren Worten.
Und für diese Zuversicht, für diese drei Worte Mut kann man eigentlich nur eines sagen:
"Danke, Frau Merkel."