Virtuelle Tourist-Info für die Region Küstriner Vorland / Kostrzyn

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Ein paar Gedanken zur Europa-BrückeWir schreiben den 24. August 1980. Ein Sonntag. Das nasskalte, eher spätherbstliche a...
09/10/2024

Ein paar Gedanken zur Europa-Brücke

Wir schreiben den 24. August 1980. Ein Sonntag. Das nasskalte, eher spätherbstliche als spätsommerliche Wetter lädt nicht gerade zu einem Moped-Trip durchs Oderbruch ein. Zusammen mit ein paar Kumpels, hat es mich an dem besagten grauen Sonntag dennoch hinaus getrieben. Unsere letzten Ferien neigten sich dem Ende zu. Eine Woche später würden wir, über die halbe (damalige) DDR verstreut, unsere Lehrausbildungen beginnen. Natürlich jeder für sich! Ein neuer Lebensabschnitt kündigte sich an. Daher hieß es, noch einmal die Freiheit zu genießen.

Wir fuhren von Zelliner Loose aus. einfach den Oderdamm entlang gen Norden. Vorbei an Güstebieser Loose bis nach Zollbrücke. Bis dahin kannten wir uns aus. Hinter Zollbrücke schimmerten plötzlich diffuse Lichter im grauen, den Tag vorzeitig enden lassenden Nieselregen.

Zunächst glaubten wir eine Baustelle vor uns zu haben. Doch die Baustelle sollte sich als eine imposante Stahlbrücke erweisen. Staunend nahmen wir das "Monstrum" in Augenschein. Betreten konnte man die Brücke nicht. Ein Stacheldrahtbewehrter Zaun verwehrte den Zutritt. Der neben dem "verrammelten" Eingang aufgestellter, mit einem metallenen DDR-Wappen versehener, schwarz-rot-goldener Grenzpfahl verlieh dem Bauwerk einen ungemein amtlichen Touch. Auch ohne den Anblick bewaffneter Wachposten wusste jeder DDR-Bürger, dass er keinesfalls über den Zaun klettern sollte.
Warum auch? Polen, dass Land dahinter, erschien uns trotz der geographischen Nähe, fern und fremd. Die "Oder-Neiße-Friedensgrenze" war nicht für völkerverbindende Begegnungen gedacht. Sie wurde ihren Namen genauso wenig gerecht, wie jener nasskalte Sonntag.
Die auf der Brücke verlegten Schienen wirkten völlig deplatziert. Warum sollten ausgerechnet hier Züge über die Oder rollen? Ich erfuhr erst später von dem " tieferen Sinn" dieser ausschließlich militärischen Zwecken dienenden Brücke. Dass heißt, im eigentlichen Sinn diente die Brücke den Großteil der Zeit nichts und niemanden. Ihre "große Stunde" sollte erst in einem, wie auch immer gearteten, "Ernstfall" schlagen. Die Brücke war sozusagen ein "Schläfer".
"Aufgeweckt" wurde die "schlafende Brücke" auch nach dem Ende der DDR nicht. Zaun und Stacheldraht durften sich ebenfalls über eine Wiederverwendung im geeinten Deutschland freuen. Anders als noch kurz zuvor, erschienen "Zaunkletterer" und "Stacheldraht-Verweigerer" plötzlich real zu werden. Die Leute wollten plötzlich jedoch nicht mehr raus aus unserem schönen Land, sondern herein. Viele aus denselben nachvollziehbaren Gründen, die kurz zuvor etliche nun mehr Ex-DDR Bürger aus eben diesen Land getrieben haben. Was sie nun allerdings geflissentlich verdrängten.
Auch diese Zeit ist mittlerweile Geschichte. Ein Teil der Staaten aus denen damals die "Zaunkletterer" kamen, gehören heute selbst zur "Europäischen Union". Bis zum endgültigen Verschwinden des Stacheldrahtes und des Sperrzauns vergingen noch etliche Jahre.
Wer hätte 1980 geglaubt, dass diese Brücke einmal unseren Kontinent im Namen tragen wird? Wer hätte geglaubt, dass man im Jahr 2024 einfach so über die Brücke ins Nachbarland und wieder zurück laufen kann? Wer hätte geglaubt, dass sich Deutsche und Polen völlig unbefangen auf dieser Brücke begegnen, als wäre es das normalste dieser Welt?
Ich bin mir sicher, dass sich die allermeisten DDR-Bürger im Jahr 1980, über diese Zukunftsaussichten ehrlich gefreut hätten. Weit weniger Freude hätte die Mitteilung über die scheinbar stetig wachsende Anzahl von "Kleingeistern" ausgelöst, die im Jahr 2024 das Comeback für Zäune und Stacheldraht, nicht nur an dieser Brücke sondern an der gesamten deutsch-polnischen Grenze, fordern. Was sie dazu wohl gesagt hätten? Ganz einfach: O je-die Dummheit wird wohl auch in der Zukunft nicht aussterben!

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14/04/2024

Ein paar Gedanken zum Tourismustag

Lobgesänge auf den Tourismustag gab es – verdientermaßen – genug. Ich möchte an dieser Stelle ein paar ganz besondere Gedanken zu dem Thema loswerden. Auch auf die Gefahr hin, damit ein paar „geistreiche“ Kommentare zu provozieren. S**t happens!

Ich gehöre nun mittlerweile der so genannten älteren Generation an. Meine bewussten Erinnerungen reichen dementsprechend lange zurück. Und zwar mehrere Jahrzehnte. Als ich gestern der mir im Rahmen der Mitgliedschaft in der Tourist-Info Oderbruch-Lebuser Land e.V. für diesen Tag erste zugewiesene Aufgabe, der Einweisung der ankommenden Händler, nachging, kam mir unwillkürlich eine Begebenheit aus ferner Zeit in den Sinn.

Vor fast genau vierunddreißig Jahren, Anfang März 1990, fand an dieser Stelle, vor dem Kulturhaus Seelow, ebenfalls eine große, von einer großen Menschenmenge besuchte Veranstaltung statt. Anders als heute, stand dem Gros der Anwesenden der Sinn nicht unbedingt nach feiern. Seelow war damals die kleinste und östlichste Kreisstadt der sich mitten im politischen Wandel befindlichen Deutschen Demokratischen Republik. Kurz DDR.

Die unmittelbaren Folgen dieses Wandels, in positiver wie in negativer Hinsicht, hatten inzwischen auch Seelow erreicht. Viele Menschen verspürten, neben der Freude über die eingetretenen Erleichterungen und dem Gewinn an Freiheit, zunehmend auch eine diffuse Angst vor der Zukunft.

An dem besagten Tag hielt der damals noch relativ unbekannte Gregor Gysi eine Rede. Seine Partei, die in PDS umbenannte SED, stand mitten im Wahlkampf. Gysi galt den einen als Hoffnungsträger. Man könnte auch sagen, als Messias. Andere schienen in dem kleinen, rhetorisch blendend aufgestellten, ehemaligen Rechtsanwalt eine Reinkarnation des Bösen zu sehen. Von allen Seiten hagelte es Pfiffe und wütende, ordinäre Beschimpfungen. Andere wähnten, vor der „Rückkehr in eine braune Zukunft zu stehen.“ Wobei mit den „Garanten einer braunen Zukunft“, die Vertreter und Anhänger der CDU gemeint waren. Gregor Gysi verhielt sich respekteinflößend souverän. Den größten Schreiern bot er einen offenen Dialog an. Worauf die Schreier sofort verstummten und sich in die Anonymität der Masse zurückzogen.

Im Frühjahr 1990 war ich als Abschnittsbevollmächtiger (ABV) der Volkspolizei, im Raum Dolgelin tätig. Normalerweise hätte ich an jenem Frühlingstag keinen Dienst gehabt. Ein Erlass des in der Seelower Mittelstraße befindlichen Volkspolizeikreisamt (VPKA), „verdonnerte“ die ABV im Kreis Seelow zur täglichen Kontrolle der in ihren jeweiligen Abschnitten gelegenen sowjetischen Ehrenmale. Man befürchtete, dass einige, aus falsch verstandener Freiheit, ihren Unmut an Denkmalen und Grabsteinen auslassen könnten. Die Kontrollen durften in Zivil durchgeführt werden.

Ich nutzte dieses „Privileg“, zu einem Abstecher nach Seelow, um Gregor Gysi zu sehen. Und natürlich auch zu hören. Wir Volkspolizisten gehörten zu den wohl am meisten unter beruflicher Zukunftsangst leidenden Berufsgruppen. Selbst schuld. Warum lässt man sich auch mit dem SED-Staat ein? Aber werden gute Polizisten nicht überall gebraucht? Selbst in einer Diktatur? Eine Frage, die sich im 20. Jahrhundert, gleich zweimal, nicht nur Angehörige der Polizei stellen mussten.

Ich fuhr also nach Seelow und mischte mich unter die Leute. Der gesamte Vorplatz des Kulturhauses und große Teile der Erich-Weinert-Straße, waren von einer unübersehbaren Menschenmenge bevölkert. Eine hatten ihre Kinder mitgenommen. Die jüngsten saßen, Fähnchen schwingend, auf den Schultern ihrer Eltern. Unter den Leuten kursierte ein neues Schreckenswort: Arbeitslosigkeit! Ein Wort, dass man bislang nur aus Fernsehberichten wie „Alltag im Westen“ und anderen DDR-Propagandasendungen kannte. Geschickt flocht Gysi die diese Ängste auf. Er suggerierte den Zuhörern, dass nur die PDS diese, die eigene Existenz bedrohende Gefahr noch abwenden konnte.

Ich wusste nicht, was und wem ich Glauben schenken sollte. Innerlich hatte ich mich mittlerweile von den Phrasen der „Kommunisten“ abgewandt. Ohne jedoch den anderen Parteien etwas abgewinnen zu können. Unsicher, hin und hergerissen, harrte ich weiter in der Menge. Bis ich zu meiner Erleichterung meinen Kollegen, den Seelower Stadt-ABV, Horst Scheckel, entdeckte. Im Gegensatz zu mir, sollte Horst während der Veranstaltung „dezent für Ordnung und Sicherheit sorgen.“ Ansonsten jedoch im Hintergrund verbleiben. Die Zeiten, in der die Staatsmacht omnipräsent agierte, sollten endgültig der Vergangenheit angehören.

Ich sah, wie sich der wesentlich ältere Kollege mit einem (damals) in Seelow stadtbekannten Trinker abquälte. Die besondere Schwierigkeit bestand in erster Linie darin, nicht nur den im übrigen harmlosen Suffkopp, sondern auch dessen, nicht ganz so harmlosen Vierbeiner einzufangen. Pflichtgemäß eilte ich Horst Scheckel zu Hilfe. Mein Erscheinen erfreute den gestandenen Stadt-ABV sichtlich. Der Satz „wir schaffen das“, könnte seinen Ursprung auch in Seelow haben.

Viel mehr gab es an diesem Nachmittag für die Polizei nicht zu tun. Trotz der angespannten Stimmung, den verbalen Entgleisungen von Vertretern sämtlicher politischer Blöcke, blieben etwaige körperliche Auseinandersetzungen aus. Hauptmann Scheckel konnte dem „Operativen Diensthabenden“ im VPKA später melden, dass die Veranstaltung ohne besondere Vorkommnisse gegangen ist.

Wie ein Nebelschleier fällt die Erinnerung von mir ab. Ich bin wieder zurück, im hier und jetzt des dreizehnten April 2024. Schon bald werden sich der Vorplatz des Kulturhauses und die Erich-Weinert-Straße wieder mit einer großen Menschenmenge füllen. Seelow 2024 unterscheidet sich erheblich von Seelow 1990. Die Stadt ist insgesamt weitaus bunter geworden. Diese Buntheit zeigt sich nicht nur an den Fassaden der Gebäude. Sondern auch in der Vielfalt der über den Platz schlendernden, sich an den Angeboten erfreuenden Besucher.

Wer hätte 1990 gedacht, dass einmal Menschen aus vielen Teilen der Welt, ausgerechnet bei uns Schutz suchen? Wer hätte 1990 gedacht, dass Polen und Deutsche gemeinsam an dieser Stelle, einen regionalen Tourismustag begehen werden? Und sich die Bezeichnung Regional auf das Land beiderseits der, anders als 1990, kaum mehr spürbaren Staatsgrenze bezieht.

Schade, dass die Teilnehmer der Veranstaltung vom März 1990, nicht in die Zukunft schauen konnten. Beim Anblick des vierunddreißig Jahre später stattfindenden Tourismustag wäre auch dem größten Skeptiker aufgegangen, dass Seelow eben nicht in eine „braune Zukunft zurückkehrt ist.“ Obwohl auch hier Politiker dieser Couleur nach der Macht greifen wollten. Keine Sorge. Auf die Seelower ist nun einmal Verlass!

Fazit:
Tourismus steht für Vielfalt und Offenheit. Diesem Anliegen werden wir, als Touristiker, im Interesse unserer Region, der hier lebenden Menschen und der hoffentlich immer zahlreicher werdenden Besucher, weiter nachkommen. Nach dem Tourismustag ist vor dem Tourismustag. Dazwischen erwarten uns weitere interessante Projekte. Packen wir es an!

Uwe Bräuning

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Hier noch eine Erinnerung:Am Sonntag den 24. März 2024, 16:00 Uhr, findet im Mehrgenerationenhaus Mikado in der Franz-Me...
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Hier noch eine Erinnerung:
Am Sonntag den 24. März 2024, 16:00 Uhr, findet im Mehrgenerationenhaus Mikado in der Franz-Mehring- Straße, ein Vortrag von mir über den Raubmörder August Sternickel statt.
Der Vortrag dient auch der Vorbereitung der am 04. Mai 2024 stattfindenden Krimi-Tour. Für diese Tour sind noch Plätze im Bus frei.

Schaut ruhig vorbei.
Ich würde mich freuen 😊😊

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