24/02/2026
Im Rahmen einer Führung unter Tage wurde ich kürzlich gefragt, warum denn die Grube Günnersdorf eben Günnersdorf heiße. Leider konnte ich die Frage nicht vollständig beantworten und bin daher auf die Suche gegangen….und fündig geworden.
Namensgeber war Sebastian Günnersdorf, der zu Beginn der 1780er Jahre als junger Mann von Prüm nach Kommern kam. Am 24.08.1783 heiratete er die minderjährige Christina Wachendorf, Tochter des 1780 bereits verstorbenen Gerichtsschreibers Johannes Wilhelm Wachendorf, kurz nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 1783.
Der Vater und Großvater von Christina hatten im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit und Stellung erheblichen Grundbesitz erworben und zusammengetragen, dessen Bewirtschaftung Sebastian Günnersdorf dann nach der Hochzeit mit Christina übernahm. Daher konnte er recht schnell den entsprechenden Eid leisten und wurde in den Nachbarschaftsverband aufgenommen.
Schon drei Jahre nach der Hochzeit beantragte Günnersdorf vor dem Berggericht der Reichsherrschaft Kommern die Genehmigung zum Bergbau ( diese Genehmigung nennt man Muthung) und erhielt zwei Berechtsame (nennt man auch Berggerechtigkeiten) auf dem Schafberg. Noch im gleichen Jahr kamen drei weitere Berechtsame hinzu, im Folgejahr schon 26 weitere und in der Folgezeit noch weitere. Insgesamt waren es über 200!
Seine Ehefrau Christina verstarb im Jahr 1800. Ein Jahr später heiratete Sebastian Günnersdorf erneut. Seine zweite Ehefrau trug ebenfalls den Vornamen Christina.
Ab dem Jahr 1794 besetzten die Franzosen das Rheinland und nach und nach führten diese auch ihre eigenen Verwaltungsstrukturen ein. So entstanden Verwaltungsbezirke, die Mairie genannt wurden ( so wird auch heute noch in kleineren Gemeinden das Rathaus in Frankreich bezeichnet „la mairie“ und der Bürgermeister ist „le maire“) und eine davon war die Mairie Kommern. Die Position des Maire erhielt zunächst Franz Alexander Abels, der im Jahr 1803 dann von Sebastian Günnersdorf abgelöst wurde.
Die Franzosen zogen im Jahr 1813 wieder aus dem Rheinland ab. Günnersdorf blieb bis 1813 Maire der Mairie Kommern und anschließend bis zum Jahr 1815 Bürgermeister von Kommern.
Während der französischen Besetzung des Rheinlandes erlebte auch das Bergrecht /der Bergbau erhebliche Veränderungen und alle Genehmigungen waren nun von französischer Seite zu erteilen.
Günnersdorf tat sich mit dem ehemaligen Vogt Kaspar Trimborn aus Bürvenich, dem Hauptmann von Hall aus Zülpich, dem Bonner Stadtrat Olligschläger und weiteren Beteiligten (Schunck, d´Artique und dem Generalsekretär Körffgen) zusammen und schlossen mehrere Gesellschaftsverträge. Kaiser Napoleon genehmigte die eingereichten Anträge im Jahr 1807. Günnersdorf war zwar nur ein Teilhaber von mehreren vorgenannten, aber zumindest für mehrere Konzessionen dann der Namensgeber.
Schlussendlich verlor Günnersdorf 1828 seine Positionen bezüglich der Mechernicher Bergwerkskonzessionen, übernahm dann jedoch noch die Konzession eines Eisenstein-Bergwerkes in Harzheim, dem er den Namen „Christina“ gab (wie seine beiden Ehefrauen).
Der Name Günnersdorf blieb aber auch weiterhin in Mechernich bestehen.
Eine viel detailliertere Darstellung befindet sich im Stadtarchiv, erarbeitet von Norbert Leduc, die meine offenen Fragen vollständig beantworten konnte und die ich zusammengefasst hier eben gerne teilen möchte.
In diesem Sinne wünsche ich euch ein herzliches Glück Auf ⚒️ ⚒️ ⚒️