22/05/2026
Die Bergmannstracht / Berghabit
In Mechernich gehören Kumpel in Bermannstracht zwar nicht mehr zum täglichen Bild, aber zumindest wird auch weiterhin das Bergfest der Bergkapelle gefeiert und die Musiker bieten Ihr Können in Bergmannstracht dar.
Aber was ist die Bergmannstracht überhaupt und welche Bedeutung hat sie?
Ganz pauschal kann man das zwar nicht beantworten, da sich der Berghabit von Revier zu Revier unterscheidet, aber es gibt durchaus einige Parallelen.
Oft handelt es sich um eine schwarze Uniformjacke (Bergkittel) aus schwarzem Tuch/Stoff. Schwarz, da sie an die Dunkelheit in den Stollen und Schächten unter Tage erinnern soll. Im Erzbergbau oft mit goldenen Knöpfen, die die Sonne und das Licht symbolisieren sollten. Auf den goldenen Knöpfen befand sich eine Prägung in Form von Schlägel und Eisen. In der ursprünglichen Form bestand die Jacke oft aus 29 Knöpfen. Auch diese Zahl ist nicht zufällig entstanden, sondern war ein gewollter Bezug zur heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute, die der Sage nach 29 Jahre alt wurde.
Um die Dreifaltigkeit zum Ausdruck zu bringen, ließ man die oberen drei Knöpf offen, denn die heilige Barbara starb, weil sie zum Christentum übergetreten war und sich weigerte, den christlichen Glauben wieder abzulegen und daher ist auch meist der Turm in der Darstellung der hl. Barbara mit drei Fensterreihen dargestellt.
Die jeweils fünf, manchmal sechs Knöpfe links und rechts neben der Mittelreihe symbolisieren die vielen Taschen, die die Bergleute brauchten, um ihr Gezähe, Messer etc. unterzubringen (und ja, diejenigen, die sich die Mühe gemacht haben und die Anzahl der Knöpfe der Bergmannstrachten auf unseren Bildern nachzuzählen, die hier in Mechernich getragenen Bergmannstrachten weichen zahlenmäßig von den 29 Knöpfen ab 🤭).
An den Ärmeln des Bergkittels, direkt unterhalb der Schultern, befinden sich schwarze Fransen. Diese erinnern an die Dochte, die man für den Betrieb der Froschlampen benötigte und die Zündschnüre zum Schießen unter Tage.
Auf den Schultern liegt der Schulterkragen als Andeutung der damaligen Pelerine, eine Art Schutzmantel oder Umhang, den man zum Schutz über der Kleidung trug.
Dieser wird im Berghabit oft mit 9 Spitzen dargestellt. Auch diese sind keine Erfindung oder zufällig gewählt, sondern sind eine Anspielung auf die insgesamt 9 Jahre, die die hl. Barbara eingesperrt war.
Anhand der Kragenspiegel lassen sich Rückschlüsse auf das abgebaute Erz, aber auch auf den Rang bzw. Platz des Bergmanns in der Hierarchie ziehen.
So war teilweise ein Rand aus gezackter Linie für einen Steiger vorgesehen, gezackter Rand mit Eichenlaub und Eichel für den Fahrsteiger und wie beim Militär, je mehr Lametta, desto höher die Stellung.
Gleiches gilt für die Barte und das Häckel, welche in der Regel den Steigern vorbehalten waren und bei Bergparaden nicht von den einfachen Bergleuten getragen wurde.
Der Schachthut erinnert an die Kopfbedeckung unter Tage zum Schutz vor herabfallendem Gestein. Der Federwisch wurde tatsächlich unter Tage genutzt, um Sprenglöcher zu reinigen und fand sich sodann auch im Berghabit wieder.
Bleibt noch das Bergleder, auch A***hleder genannt. Unter Tage bei der Arbeit trugen die Bergleute das A***hleder, um sich selbst vor Kälte und Nässe, aber auch die Kleidung vor vorzeitiger Abnutzung zu schützen. So findet sich sogar im Steigerlied ein Hinweis auf das Bergleder ("Wir Bergleut sein's kreuzbrave Leut, denn wir tragen das Leder vor dem A***h bei der Nacht..."). Zum Berghabit wurden diese dann auch getragen, aber diese dann nur zum Berghabit, also sauber und ohne Gebrauchsspuren als Paradefahrleder.
Wir wünschen frohe Pfingsttage und ein herzliches Glück auf, euer Bergbaumuseum Mechernich.