12/08/2026
Tag 5 unserer Highland-Invasion: 37 Gäste, ein Bus, keine Regenschirme nötig!
Liebe Freunde der guten Laune,
während die schottischen Wetterpropheten uns mit drohendem Zeigefinger literweise „Himmelschweiß“ prophezeit hatten, hat der Himmel bis jetzt tapfer die Contenance bewahrt – nur ein müdes Nieseln hier und da, mehr Feuchtigkeitsspray als Sintflut. Die Highlands scheinen zu wissen, dass unsere 37 Gäste heute keine nassen Füße, sondern trockenen Humor verdienen.
Dafür liegt seit heute Morgen, seit wir Ullapool im Rückspiegel verschwinden ließen, ein völlig anderes Phänomen über der Gruppe: ein herrlich unwirkliches, fast außerirdisches Kribbeln, das einen entlang der wilden Nordwestküste bis nach Durness begleitet – so, als hätte jemand die schottische Landschaft eigens für uns auf „episch“ gestellt.
Unterwegs haben wir natürlich einen Abstecher zur Smoo Cave gemacht – der größten Meereshöhle Britanniens, mit einem Eingang, der stolze 40 Meter breit und 15 Meter hoch ist. Was die Höhle so besonders macht: Der vordere Teil wurde von der brachialen Kraft des Meeres ausgewaschen, der hintere von einem zarten Süßwasserbach, der sich seit Jahrtausenden geduldig durch den Kalkstein tropft – zwei völlig verschiedene Handwerker, die sich offenbar nie abgesprochen haben, aber am Ende ein gemeinsames Meisterwerk abgeliefert haben. Der Name „Smoo“ stammt wahrscheinlich vom altnordischen „smuga“ für „Schlupfloch“, und Wikinger nutzten die Höhle tatsächlich als Naturhafen. Weniger gemütlich wurde es im 17. Jahrhundert, als der berüchtigte Straßenräuber Donald McMurdo der Legende nach seine Opfer kurzerhand ins Blowhole der Höhle warf – Schottlands wohl unfreiwilligster Entsorgungsservice. Und weil selbst eine Höhle mit Mordgeschichte in Schottland nicht ohne Whisky auskommt: Zur Zeit der Jacobiten-Aufstände soll hier eine illegale Brennerei betrieben worden sein, bis zwei Zollbeamte per Boot die Höhle stürmten – ihr Kahn kippte prompt unter dem Wasserfall um, und beide ertranken. Kurz danach war von der Brennerei nichts mehr zu sehen. Auch Sir Walter Scott war 1814 hier und fand den Ort passend genug für einen Wasserkelpie. Kein Wunder, dass unsere Gruppe für einen Moment ganz still wurde – vor Ehrfurcht, nicht vor Nässe.
Und dann, in Durness selbst, wartete die eigentliche Pointe des Tages: der John-Lennon-Gedenkgarten, in dem ein ehemaliger Beatle als Junge tatsächlich seine Ferien verbrachte, lange bevor er die Welt mit Bowlschnitt und Peace-Zeichen eroberte. Zwischen Steinen mit eingravierten Zeilen aus „In My Life“ habe ich unserer Truppe ein paar Verse vorgetragen – und musste, mit einem Blick auf die Burgen und Schlösser, die wir diese Woche schon abgeklappert haben, spontan umdichten:
„There are Palaces I remember…“
John hätte es mir vermutlich verziehen. Immerhin reimt sich Castle auch nicht auf gar nichts.
Viele Grüße aus „Scotland the Great“ – nass sind bei uns höchstens die Lachtränen,
Adèle und Dany