13/05/2021
In einem etwas verwunschenen, kleinen Hölzl unweit von der Axtheid entdeckt der Wanderer diese beiden, schön erhaltenen Marterl. Ihre Geschichte illustriert die besondere Bedeutung religiöser Bildstöcke für die Bevölkerung bis heute.
Waren die ersten Bildstöcke ab dem späten Mittelalter zunächst aus Holz geschnitzt oder in einen Baum am Wegesrand geschlagen (daher der Name "Bildstock"), etablierten sich mit der Gegenreformation des 17. Jahrhunderts die steinernen Marterl mit Bildtafel als Hauptform. Gerade in der konfessionell umkämpften Oberpfalz dienten die kleinen Flurdenkmale mit Heiligenbild auch dazu, die katholischen "Reviere" abzustecken.
Die Hauptgründe, ein Marterl zu errichten, waren aber freilich andere. Zunächst markierten sie den Ort eines Unglücks. Die vorindustrielle Landwirtschaft war nicht ungefährlich für Leib und Leben, ebenso wie die dunklen Landstraßen, wo es bisweilen auch zu Überfällen kam. Weiterhin dienten Marterl als steinerne "Statements" der Frömmigkeit, mit denen wohlhabende Bürger ihre Gottesfürchtigkeit öffentlich zeigen konnten. Für Wanderer boten sie Gelegenheit zu rasten und zu beten, weswegen wir die Flurdenkmäler häufig an Altstraßen finden.
Der dritte Anlass führt uns zurück zu den beiden abgebildeten Marterln, denn oft signalisierten sie den Dank der Stifter dafür, einem Unglück oder einer Krankheit entgangen zu sein. So auch hier.
Das hintere der beiden Marterln wurde am Ende des Ersten Weltkriegs errichtet, als die Söhne einer Vilsecker Familie gesund aus dem Krieg zurückgekommen waren. Aus dem Jahr 1946 und von einer anderen Familie stammt dagegen der vordere Bildstock – 28 Jahre später, doch der Anlass war der gleiche. Der Stein, aus dem er gehauen wurde, stammte übrigens aus Haag, dem größten der 1938/39 abgesiedelten Dörfer im Truppenübungsplatz. Somit verfügt das Marterl sogar über eine doppelte Funktion als Erinnerungsort.
Wer weiß, wo sie stehen?