09/05/2025
Und weiter gehts mit der Nostalgie bzw. der Geschichte:
Wer unser Ferienhaus heute besucht, genießt Ruhe, Natur, Gemütlichkeit – und vielleicht auch ein kleines bisschen Geschichte. Denn was heute unser Rückzugsort im schönen Warmensteinach ist, war früher ein lebendiger Treffpunkt für Einheimische, Wintersportler und Gäste aus Nah und Fern: die Gastwirtschaft von Betty Herrmann.
Ursprünglich war das Haus – wir sprechen hier von den 1930ern – eher ein „Kramerladen“, in dem man das Nötigste kaufen konnte. Und wenn’s mal etwas mehr als nur Zucker und Seife sein durfte, gab’s hin und wieder auch ein Schnäpschen oder a Flaschl Bier. Ganz unkompliziert – wie das Leben eben war.
Dann kamen Betty und ihr Mann Ernst Herrmann auf die Idee, ein kleines Fuhrunternehmen zu gründen. Doch es zog sie bald in eine andere Richtung – eine, die viel mit Bratenduft, Wirtshaustischen und herzlichem Gelächter zu tun hatte: das Haus wurde zur Gastwirtschaft. Und was für eine! Sogar zwei Gästezimmer wurden eingerichtet. Fortan hieß es in Warmensteinach: „Geh ma zur Betty!“ Oder auch: „Rauf zur Linde!“ – benannt nach den Lindenbäumen vor der Tür, die der Wirtschaft ihren Beinamen gaben.
Die Linde wurde bald zum Herzen des Ortes. Bis zu 100 Essen am Tag gingen über den Tresen – man möchte sich gar nicht ausmalen, was da an Schnaps, Bier und guten Geschichten über den Tisch ging. Der Skihang war nur ein paar Meter entfernt, und so konnte man mit etwas Schwung fast direkt von der Piste in die Stube rauschen. Nur fast. 😉
Was heute wie ein Heimatfilm klingt, war damals Alltag: Gespräche, Gerüchte und jede Menge Gaudi. Und dabei war Betty nie eine, die viel Aufhebens um sich machte. Aber für einen Witz, ein Lächeln und einen Klaren war sie immer zu haben. 🍷
Selbst internationale Gäste – vor allem aus den Niederlanden – kamen regelmäßig zu ihr, was alte Briefe und Postkarten belegen. Für viele war sie nicht nur Wirtin, sondern Gastgeberin mit Herz. Und die Linde war ein Ort, an dem sich Geschichten sammelten wie Gläser auf dem Tresen.
Leider durfte ich meine Uroma Betty nie persönlich kennenlernen – sie starb gut zehn Jahre, bevor ich geboren wurde. Umso wichtiger ist es für mich (und uns), ihren Geist, ihre Gastfreundschaft und ihre Lebensfreude in Ehren zu halten. Denn was Betty damals begonnen hat – das Haus mit Leben, Lachen und Menschen zu füllen – das setzen wir heute fort. Nur eben ohne Gastwirtschaft – aber immer noch mit Herz. ❤️
Wer bei uns zu Gast ist, tritt nicht nur in ein Haus – sondern in eine Geschichte. Eine, die mit einer starken Frau begann, einer Wirtin mit Humor, Charme und einem offenen Ohr für jeden.
Prost, Betty – und danke für alles.
Urlaub im schönen Fichtelgebirge