24/03/2020
Liebe Kunden, liebe Kollegen der deutschen Reiseveranstalter,
was für eine bedrohliche Zeit bereits hinter uns liegt, aber hoffentlich nicht mehr so lange vor uns liegt, brauche ich nicht extra erwähnen. Ich wünsche uns allen zunächst Gesundheit und Wohlergehen.
Jetzt aber müssen sich endlich auch einmal wir Reisebüros zu Wort melden, um auf unsere Lage aufmerksam zu machen.
Es wird täglich diskutiert und berichtet, man hört von Urlaubern, die zurückgeholt werden und von Reisenden, deren Reise nun ausfällt, und die aber ihr Geld zurückbekommen.
Das alles ist gut so und auch Ihr Recht, liebe Kunden.
Wir Reisebüros unterstützen dabei nach allen Kräften, wobei wir mittlerweile sagen müssen: Für SIE tun wir das von Herzen gern, für unsere Handelsherren, die Reiseveranstalter, nicht mehr.
Denn was die meisten von Ihnen nicht wissen ist, dass diese uns für unsere geleistete Arbeit unsere Vergütung/Provision wieder wegnehmen.
Wir haben Ihren Urlaub vorbereitet, Sie über Ziele informiert, über alles, an was es zu denken gilt, Preise verglichen, Einreiseformalitäten geregelt, an Ihre Gesundheit gedacht, Hotelempfehlungen gegeben und unser ganzes Know How in Ihren Traumurlaub gesteckt.
Kurzum: Wir haben alles für Ihren wunderbaren Urlaub getan und werden von den Reiseveranstaltern genau dafür mit einer Provision vergütet.
Nun fällt Ihre Reise aus, was Ihre Urlaubsträume zerplatzen lässt, aber es ist gut, dass Sie nicht mit Angst und Sorge irgendwo hinreisen müssen.
Ihr Reisebüro ist da emotional ganz bei Ihnen.
Dennoch ist es für uns mehr als ein zerplatzter Traum. Für uns ist es ein Schock, denn die Vergütung, die wir für all unseren Einsatz erwirtschaftet und verdient haben, soll uns nun wieder weggenommen werden.
Wo in unserer Wirtschaft gibt es noch so ein vergleichbares ruinöses Verhalten?
Der Caféhausbesitzer klagt, dass er nun keinen Kaffee verkaufen kann,(schlimm genug), aber das Geld, was er letzten Monat noch dafür eingenommen hat, nimmt ihm keiner mehr weg.
Ihr Gehalt, dass Sie noch Anfang des Jahres erhalten haben, mag nun über Kurzarbeit z.B. weniger sein, und das bedauern wir alle. Aber stellen Sie sich bitte einmal vor, Ihr Arbeitgeber sagt Ihnen: „Es läuft gerade nicht so gut, bitte zahlen Sie ihr Gehalt vom Januar und Februar wieder zurück“.
Und unsere Veranstalter gehen sogar noch weiter. Wenn Sie im letzten August bei uns gebucht haben, dann bekommen wir von denen, die wir vertreten, NICHTS, bzw. was wir bekommen haben, nimmt man uns wieder weg.
Sieht so Gerechtigkeit und Solidarität in einer solchen Krise aus?
Und in der Politik ist beim Thema „Tourismus“ immer die Rede von Hotels, die schließen müssen, von Veranstaltern und Fluglinien, und was sie alles jetzt Heldenhaftes für unsere Urlauber leisten.
Ja, Sie als Urlauber haben das auch verdient – aber wir doch auch. Und von uns Reisebüros hat noch niemand auch nur andeutungsweise gesprochen.
Niemand scheint zu wissen, was wir für Ausfälle haben.
Es scheint sogar, als existierten wir überhaupt nicht.
Wir gehen sogar mal so weit zu sagen, das zum Beispiel TUI, das ist kein Geheimnis, Staatshilfen beantragt, sich dann noch schnell die Provisionen seiner Reisebüros zurückholt, um alles in allem die Krise so besser bewältigen zu können.
Und was können wir machen? Sollen wir uns etwa vom Kunden unsere Provision geben lassen?
Ein No-Go, das ist ja wohl klar.
Wir buchen zur Zeit nichts, und können auch gut verstehen, warum unsere Kunden das momentan nicht tun.
Wir wickeln eine Flut an Buchungen ab, informieren unsere Kunden stetig und hören uns stundenlang Sorgen und Fragen an. Und ich wiederhole noch einmal: Für Sie, unsere Kunden, tun wir das gern.
Aber wir nehmen unseren Veranstaltern jetzt schon wieder eine ganze Menge Arbeit ab, wenn sie uns schreiben: „Reise abgesagt – mach mal. Informiere mal. Arbeite für uns, aber bitte kostenlos. Und übrigens sind wir wegen Überlastung gerade telefonisch nicht erreichbar, aber ihr kennt ja die AGBs und werdet den Kunden schon beruhigen.“
Kurzum, wir arbeiten etliche Stunden für unsere Veranstalter, für Buchungen, die nicht mehr existieren. Die Folge wird sein, dass wir Ihnen, liebe VERANSTALTER, diesen Arbeitsaufwand in Rechnung stellen, denn unsere Provision wollen Sie ja nicht geben oder zurück haben.
Somit wird es demnächst Rechnungen für Bearbeitungen geben, dazu können wir nur jeden Kollegen, jede Kollegin auffordern.
Und ein letztes Wort noch an alle Reisebüro-Kunden.
Letztens rief mich ein erboster Kunde an, der nicht verstehen konnte, warum er vor der offiziellen Reiseabsage hohe Stornokosten zahlen musste und warf mir an den Kopf: SIE SIND DOCH SOWIESO AUF SEITEN DER REISEVERANSTALTER!!!
Nein, liebe Kunden, das sind wir definitiv nicht.
Wir sind im Moment nur die Überbringer schlechter Nachrichten und die Schafe, die man gerade zur Schlachtbank führt. Und das alles lassen unsere sogenannten „Partner“, unsere Reiseveranstalter gerade tatenlos zu.