31/05/2016
Ist Jerusalem eine futuristische Stadt?
Die Ereignisse des 20. Jahrhunderts haben sich so abgespielt, dass Tel Aviv, die 1909 gegründete israelische Mittelmeerstadt, heute als das Hauptzentrum des in Weimar entstandenen Bauhauses gilt. In den 1920-1930er Jahren entwickelte sich Tel Aviv rasant und folgte dabei der Konzeption der genau geplanten, grünen und für den Wohlstand ihrer Einwohner geeigneten “Stadt der Zukunft“. Als in den 1930er Jahren einige der vom NS-Regime verfolgten Bauchausarchitekten nach Palästina/Eretz Israel flohen, fügten sich ihre künstlerischen Ideen in diese Konzeption vollkommen hinein. Das Ergebnis ist ein Freilandmuseum, in dem sowohl die Stadteinwohner, als auch das Wetter und hauptsächlich die Zeit mitspielen: viertausend achtzigjährige futuristische Gebäude – die größte Sammlung der Welt – sind bis heute bewohnt und benutzt. Manche werden renoviert, die anderen verfallen langsam. Seit 2003 gehört die sogenannte Weiße Stadt von Tel Aviv zum UNESCO-Welterbe.
Doch hat die Verbreitung des Bauhauses sich auf diese Stadt nicht beschränkt. Bauhausgebäude findet man in verschiedenen israelischen Kibbuzen, in Haifa und sogar… in Jerusalem. Die uralte Stadt wurde in den 1920-1930er Jahren auch von futuristischen Ideen und Kunstkonzeptionen beeinflusst. Z.B. Rehavia, eines der wohlhabenden Stadtgebiete des heutigen Jerusalems, war als eine grüne „Nachbarschaft der Zukunft“ beabsichtigt. Auf den damals angelegten Straßen des heutigen Stadtzentrums sind zahlreiche Häuser im Bauhausstil entstanden. In der Rambanstraße in Rehavia befindet sich ein Haus, das als eines der feinsten Beispiele dieses Stils in Israel gilt. Das Haus wurde 1935 vom in Wien geborenen Jerusalemer Architekten Leopold Krakauer (1890-1954) konstruiert. Bestellt wurde es von dem Gynäkologen Dr. Paul Bonem, der 1932 aus Deutschland gekommen war. In seinem Werk hat sich Krakauer von umliegenden arabischen Dörfern, mit ihren zufällig gelegten, weißen flachdachigen Häusern, inspirieren lassen. Dreißig Jahre später hat dieselbe Idee das Bild des Israel-Museums in Jerusalem geprägt.
(Auf dem Foto sehen Sie Bonems Haus)