14/08/2026
* Angkor Thom
– Die große Königstadt von Jayavarman VII.
Angkor Thom (Khmer: អង្គរធំ, „Großes Angkor“) gehört zu den faszinierendsten historischen Stätten Kambodschas. Es handelt sich nicht um einen einzelnen Tempel, sondern um eine gewaltige, nahezu quadratische befestigte Königstadt mit einer Fläche von etwa 9 km².
Die Stadt wurde vor allem unter König Jayavarman VII. gegen Ende des 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts ausgebaut und zu einem bedeutenden politischen, religiösen und zeremoniellen Zentrum des Khmer-Reiches gemacht.
•. Die Stadtbefestigung
Angkor Thom war von einer etwa 8 Meter hohen Stadtmauer und einem rund 100 Meter breiten Wassergraben umgeben. Die Befestigungsanlage bildet ein nahezu quadratisches Areal mit einer Seitenlänge von ungefähr 3 Kilometern.
In die Stadt führten fünf monumentale Tore: das Südtor, das Nordtor, das Westtor sowie das Osttor und das sogenannte Siegestor östlich des königlichen Palastbereichs.
Die fünf Tore von Angkor Thom
Die vier Haupttore – Süd, Nord, West und Ost – besitzen einen charakteristischen Turm mit vier großen Gesichtern, die in die vier Himmelsrichtungen blicken. Die Tore sind ungefähr 23 Meter hoch.
Vor jedem Haupttor führt ein Damm über den breiten Wassergraben. Die Balustraden stellen das berühmte hinduistische Motiv des „Quirlens des Milchozeans“ dar: Auf beiden Seiten ziehen Götter (Devas) und Dämonen (Asuras) an einer riesigen Naga. Die insgesamt 108 Figuren erinnern symbolisch an die kosmische Zahl 108.
1. Das Südtor – Tvea Tonle Om
Das Südtor ist das am besten erhaltene und bekannteste der fünf Tore. Es ist zugleich der meistbesuchte Zugang zu Angkor Thom, insbesondere für Besucher, die aus Richtung Angkor Wat kommen.
2. Das Westtor – Tvea Ta Kav
Das Westtor liegt in einer ruhigeren und stärker bewaldeten Umgebung. Der Zugang führt durch eine weitgehend natürliche Landschaft und vermittelt einen besonders ursprünglichen Eindruck von Angkor Thom.
3. Das Nordtor – Tvea Dai Chhnang
Das Nordtor bildet den nördlichen Zugang zur Stadt. Es ist weniger stark besucht als das Südtor und bietet einen ruhigeren Zugang zum historischen Stadtgebiet.
4. Das Osttor , Tvea Khmauch - Tor des Todes
Das Osttor ist heute ebenfalls ein vergleichsweise ruhiger Ort. Es liegt an der östlichen Stadtmauer und ist besonders interessant für Besucher, die die weniger besuchten Bereiche von Angkor Thom entdecken möchten.
5. Das Siegestor – Tvea Jay
Das Siegestor liegt östlich des Stadtzentrums, nördlich des Osttors. Es war mit einer direkten Straße verbunden, die vom Bereich des königlichen Palastes nach Osten führte. Der Name erinnert an seine Verbindung mit dem königlichen Weg und den Zeremonien des Herrschers.
•. Die wichtigsten Tempel und Bauwerke innerhalb von Angkor Thom
Die damalige Stadt bestand nicht nur aus Tempeln. Innerhalb der Mauern befanden sich auch der königliche Palast, Wohngebäude, Verwaltungsbereiche und andere Bauten aus vergänglichen Materialien wie Holz. Diese sind heute weitgehend verschwunden.
Die großen Bauwerke aus Sandstein und Laterit sind dagegen bis heute erhalten.
A. Bayon – der Staatstempel
Im geografischen Zentrum von Angkor Thom steht der berühmte Bayon, der unter Jayavarman VII. als zentraler Staatstempel errichtet wurde.
Sein außergewöhnliches Merkmal sind die zahlreichen Türme mit den berühmten viergesichtigen Köpfen. Ursprünglich gab es deutlich mehr Türme als heute; ein großer Teil ist im Laufe der Jahrhunderte eingestürzt oder wurde verändert.
Die Gesichter werden häufig mit dem Bodhisattva Avalokiteshvara (Lokeshvara) in Verbindung gebracht, wobei auch eine symbolische Darstellung des Königs selbst diskutiert wird.
B. Baphuon
Der Baphuon ist ein gewaltiger Tempelberg aus dem 11. Jahrhundert und gehört damit zu den älteren Monumenten innerhalb von Angkor Thom. Er wurde ursprünglich als hinduistischer Tempel, wahrscheinlich zu Ehren Shivas, errichtet.
An der westlichen Seite wurde in späterer Zeit eine große liegende Buddha-Darstellung aus den vorhandenen Steinblöcken geschaffen. Diese ist heute noch deutlich erkennbar.
C. Phimeanakas und Königspalast
Der Phimeanakas ist eine dreistufige Tempelpyramide innerhalb des ehemaligen königlichen Palastbereichs. Der Tempel stammt ursprünglich aus dem späten 10. oder frühen 11. Jahrhundert und wurde später unter verschiedenen Königen verändert.
Er war Bestandteil des königlichen Palastkomplexes und stand damit in unmittelbarer Nähe des politischen Zentrums der Khmer-Hauptstadt.
D. Die Terrasse der Elefanten
Die Terrasse der Elefanten ist eine etwa 300 Meter lange monumentale Plattform am östlichen Rand des ehemaligen königlichen Platzes.
Ihre Außenwände sind mit eindrucksvollen Reliefs von Elefanten, Elefantenprozessionen, Löwen und anderen Motiven geschmückt. Von dieser erhöhten Plattform aus konnte der König vermutlich Zeremonien, Prozessionen und öffentliche Veranstaltungen auf dem großen Platz vor dem Palast verfolgen.
E. Die Terrasse des Leprakönigs
Direkt nördlich der Terrasse der Elefanten befindet sich die Terrasse des Leprakönigs.
Ihren Namen erhielt sie aufgrund einer Statue, die früher auf der Terrasse stand und von der Bevölkerung mit einem sogenannten „Leprakönig“ in Verbindung gebracht wurde. Die historische Bedeutung der Figur ist jedoch komplexer und nicht eindeutig geklärt.
Die Terrasse besitzt besonders feine und teilweise mehrschichtige Reliefs mit Göttern, Dämonen und mythologischen Figuren. Ein Teil der ursprünglichen Reliefs ist heute in restauriertem Zustand zu sehen.
Angkor Thom – mehr als nur ein Tempel
Angkor Thom war somit keine Ansammlung einzelner Tempel, sondern eine komplexe königliche Stadt mit religiösen Monumenten, Palastanlagen, Straßen, Wassergräben und großen zeremoniellen Plätzen.
Wer Angkor Thom besucht, sollte deshalb nicht nur den Bayon betrachten, sondern versuchen, die gesamte Stadtanlage zu verstehen: die Stadtmauern, die fünf Tore, die Brücken, den königlichen Palast, die großen Terrassen und die Tempel bilden gemeinsam ein beeindruckendes Zeugnis der politischen und religiösen Welt des Khmer-Reiches unter Jayavarman VII.
* Photo: Das Nordtor der Stadt Angkor Thom in grüner Zeit.
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