22/12/2025
Mein JAHRESRĂCKBLICK 2025
Heute ist ein besonderer Tag. Nicht nur, dass ich mir mal wieder Zeit nehme um das letzte Jahr in Gedanken R***e passieren lasse... Ich setz noch einen drauf, denn genau heute vor 10 Jahren hat fĂŒr uns ein neues, schwedisches Leben begonnen. Wie es SĂžren Kierkegaard schon vor knapp 200 Jahren so treffend ausgedrĂŒckt
hat: â Leben kann man nur vorwĂ€rts, verstehen es nur rĂŒckwĂ€rts. â So ist meine Frau mit mir im Dezember 2015, nach nur 5 Tagen Vorbereitungszeit einfach losgefahren...kaum Kohle, 3 schwedische Vokabeln, paar Klamotten, mein Werkzeug und 2 Kids mit âspecial needs â im GepĂ€ck. Es war wohl die Sehnsucht nach einem anderen Leben, die uns mutig sein lies. Was in den folgenden 3650 Tagen passierte, könnte man in Buchform verfassen und wir haben den Himmel voller Sterne sehen können und in tiefe AbgrĂŒnde geschaut. Das, was ich nie aus den Augen verloren habe, ist meine Vision von einem guten Leben und diese Sicht der Dinge begleitet mich bis heute. Jetzt, wo ich zurĂŒck sehe, bin ich zwar noch auf dem Weg, aber verstehe so einiges... Kierkegaard hatte also recht.
Aber nun zum Jahr 2025. 12 extrem intensive Monate, voller Leben, guter Menschen, Abenteuern, einigen HĂŒrden, erfĂŒllten TrĂ€umen, Ăberraschungen, Verlusten und Herausforderungen sind nun fast Geschichte. Eigentlich hatte ich mich klonen lassen mĂŒssen, denn es war so viel los ⊠aber es ging auch so. ;-) . Anfang Januar erfĂŒllte sich ein Lebenstraum, den ich seit 2001 hatte...einen eigenen kleinen Platz im Norden meiner Herzensheimat Kanada. Die UmstĂ€nde waren völlig verrĂŒckt und das Schicksal brachte uns (ich hab die Sache mit einem Freund und fantastischen Menschen angepackt) auf dem Silbertablett. Freunde liehen mir Geld und das Unmögliche wĂŒrde möglich und RealitĂ€t. Nun gibt es ein weiteres, cooles Projekt auf der anderen Seite des Ozeans und ihr könnt gespannt sein, was daraus entsteht. Zu Hause lief die Wintersaison mit HĂŒttenvermietung, schönen AktivitĂ€ten in der Natur, Nordlichtern, Schmiedekursen und ner Menge Schnee schippen. Am Schmiedefeuer entstanden Messer, Ăxte und alles Mögliche aus Stahl fĂŒr meine treuen und geduldigen Kunden. Zwischendurch musste ich mit meinem Sohnemann mal âkurzâ die knapp 1000 Kilometer nach Stockholm schwirren. Ein Konzert unserer Lieblingsband machte diese Reise unumgĂ€nglich. NatĂŒrlich streikte unser Auto unterwegs und wir disponierten um...Bus, Bahn und die Unterbringung bei super netten Auswanderern machen diesen Trip unvergesslich. Das Konzert war Weltklasse, der Besuch der Vasa auch und die Hilfe der lieben Menschen um uns, machte dieses lange Wochenende zu einer Zeit zum Einrahmen. Die Temperaturen stiegen und es roch nach FrĂŒhling. Als das Tauwetter begann, machte ich mich erneut auf den Weg nach SĂŒden...diesmal nach Deutschland. Die Zeit war mal wieder eng getaktet, denn wie immer wollte ich Freunde und Familie treffen. Schlafen wurde ĂŒberbewertet und deshalb gab es genug GesprĂ€che, Treffen und Erinnerungen-schaffen zu allen Tages-und Nachtzeiten. Mein riesiger Freundes-und Bekanntenkreis lud ein, reiste an, bekochte uns und ich besuchte Unmengen besonderer Menschen. Die Zeit mit meinen Eltern war mehr als besonders...und wenn ich zurĂŒckschaue, weiĂ ich auch warum. Was in dieser guten Woche ablief, ist nicht zu beschreiben. MĂŒde, ĂŒberglĂŒcklich, voller Zufriedenheit ĂŒber mein Leben und alle die Teil davon sind, ging es zur Fortsetzung von ThĂŒringen zu Freunden ins AllgĂ€u, Ăsterreich und SĂŒdtirol. Beim Schwager im tiefsten Bayern wurde noch fix ein Herzensprojekt umgesetzt und schon saĂ ich neben meinem Freund Markus auf dem Beifahrersitz seines Pickup. Er hatte die grandiose Idee, ein altes Holzboot zu kaufen und es mit mir zum Polarkreis zu transportieren. Er fand nen alten Kahn, hing ihn an sein Auto und da ich fĂŒr solche unvernĂŒnftigen âSchandtatenâ genau der Richtige bin, waren wir nun gemeinsam (und ziemlich laaaaaangsam) auf dem Weg nach Norden. Jetzt bleibt ânurâ noch, das gute StĂŒck richtig schön auszubauen und danach als neue, urige Unterkunft unseren GĂ€sten als Zuhause auf Zeit anzubieten. Das Eis schmolz und ich konnte die 1. AuĂenbaustelle mit Punktlandung abschlieĂen. Diese lag auf einer Insel und 2 Tage spĂ€ter wĂ€re statt dem Schneemobil, nur noch der Hubschrauber geblieben. ;-). Kurz danach verstarb mein Vater. Auf einmal war er nicht mehr unter uns, aber ein Teil lebt in mir weiter. Wir hatten fast 49 Jahre miteinander, es war alles besprochen, es gab wirklich Frieden zwischen uns und Akzeptanz trotz unserer Unterschiede. Das zu Lebzeiten zu bekommen, lĂ€sst meine Augen âschwitzenâ. Es gibt ein Leben vor dem Tod und das sollte man nutzen...wenn möglich gemeinsam und in gutem Miteinander.
Nach und nach schwirrte ich von einer Baustelle zur anderen. Manchmal so schön gelegen, dass es schon irre ist, da zu arbeiten, wo andere Urlaub machen. Ein riesen Dankeschön an meine treuen Mitarbeiter, ohne die die Umsetzung nicht möglich wĂ€re. So war der Sommer in vollem Gange und wie immer standen Unmengen auf der to-do-Liste. Zum GlĂŒck trafen meine Helfer, auch âAmeisenarmeeâ genannt, pĂŒnktlich ein. UneigennĂŒtzige Helferlein mit Elan, Geschick, Perspektive, Liebe zum Holz und dem Norden. Sie belebten neben unseren HĂŒttengĂ€sten den Hof, wir teilten das Wichtigste was wir haben: Zeit! Minik machte Feuerholz, als gĂ€b`s kein morgen und die Jungs von der A.A. (Ameisenarmee), setzten meine Ideen vom Hundezwinger, einer Jurte und 1000 andere Projekte um. Was uns alle verbindet, ist wohl das âAnders-seinâ, die Offenheit, Toleranz, den Wunsch mehr dem Herz zu folgen und den Mut lieber neue Wege zu gehen, als ausgetretene Pfade. Im August fanden dann wieder meine Blockbaukurse statt. Acht âsĂ€gewĂŒtigeâ Teilnehmer aus verschiedenen Nationen, fanden nicht nur heraus, wie man Blockverbindungen herstellt, sondern auch Verbindungen zueinander und zur Natur. Es gab so viele Begegnungen, dass ich kaum hinterher komme. Unser Platz wurde zum Treffpunkt von wildfremden Leuten, die zusammensaĂen, grillten, diskutierten, lachten, musizierten und sich zuhörten. Menschen aus unterschiedlichen LĂ€ndern und Leben, trafen sich auf unserer âBĂŒhneâ und ich bin glĂŒcklich in dieser kleinen, wunderbaren Welt zu leben, wo man fĂŒreinander ist, als gegeneinander! Ich bin allen, die sich zu uns auf den Weg gemacht haben, so irre dankbar ! Ich stelle immer wieder fest... vom HĂŒttengast aus Saudi Arabien, ĂŒber den Camper, der im Rollstuhl sitzt und Lebensfreude fĂŒr â2â ausstrahlt, zu allen anderen, die den Weg zu uns finden...wir sind alle gleich. Warum das in der ânormalen Welt da drauĂenâ oft nicht genauso ist, hab ich bis heute nicht verstanden. Es werden Waffen produziert, ZĂ€une gebaut, es wird gemordet und so viel Leid geschaffen, dass es mir schlecht wird. Geld, Egoismus, Einfluss und Macht ist oft die Motivation und an euch âGroĂen da obenâ: Wenn ihr wirklich groĂ wĂ€rt, wĂŒrdet ihr Anderes tun: Helfen, Teilen, Menschen und Natur versuchen zu heilen und begreifen, dass wir alle zusammen fĂŒr einen Wimpernschlag auf einer Kugel durch`s Weltall fliegen und uns wie Flöhe benehmen, die untereinander streiten, wem der Hund gehört, auf dem sie sitzen...
Langsam waren die Heidelbeeren im Wald âpflĂŒckfertigâ und die BlĂ€tter der Birken fĂ€rbten sich bunt. Wow...es war schon Herbst ! Ich wuselte noch auf DĂ€chern herum und erledigte Wintervorbereitungen auf unserem Hof. Erneut trafen âHelferleinâ ein und schon saĂen wir in der Holzklasse im Flieger nach Kanada. Neben unserem GepĂ€ck, war auch meine Familie, Freunde und meine Mutter, mit am Start. Ihr mit ĂŒber 80 Lenzen mal das Land zeigen zu können, was mich so unsagbar fasziniert, war eine meiner besten Ideen im Jahr 2025. Eine Bombenwarnung fĂŒr unser Flugzeug, lieĂ uns mal kurz das Herz in die Hose rutschen, aber alles ging soweit gut. Wir genossen die grandiose Natur, trafen gute Freunde und Bekannte ⊠und nachts beim Pi***ln auf einen SchwarzbĂ€ren, der auch gern auf Besuch kam. Es war eine sehr intensive und schöne Zeit in meiner anderen Heimat. Wer sagt ĂŒberhaupt, dass man nur eine Heimat haben darf ?!... ich jedenfalls nicht !
ZurĂŒck von Kanada machte ich nochmal einen Zwischenstopp in Deutschland und fuhr mit 2 Freunden âVaters alten Caddyâ nach Lappland. Jetzt ist sein Auto meins geworden und seit 2 Wochen auch âSchwedeâ...genau wie wir. Der Caddy hat nun schwedische Papiere und wir auch. :-)
Die Zeit verging wie im Fluge...drauĂen liegt nun schon ne Weile das weiĂe Puder (Schnee) und weil ich immer zu tun hab, ist es verrĂŒckt zu realisieren, was in diesem Jahr alles los war. Wer denkt wir leben im Paradies, muss ich leider enttĂ€uschen. Wir sind nah dran, aber auch hier oben spĂŒren wir teilweise die Ohnmacht den âGroĂenâ gegenĂŒber. Es wird gerodet, als wĂŒrden die BĂ€ume hier 10 x so schnell wachsen, wie sie es wirklich tun. Es wird nach BodenschĂ€tzen gesucht und dabei spielt es keine Rolle, ob das Land den Samen und ihren Rentieren zustehen sollte, oder sogar Privatbesitz ist. Da war es wieder, das Problem mit den Flöhen und dem Hund. ⊠Apropos Hund: Auf meiner âbucket listâ steht noch ein eigenes, kleines Hundeteam. Ich hoffe, ich kann mir auch diesen Traum zeitnah erfĂŒllen und in 2 Jahren, mit ihnen und eingefrorenem Bart durch die WĂ€lder ziehen. Noch mehr wĂŒnsche ich mir, dass wir gesund bleiben, Frieden einkehrt...im GroĂen, wie im Kleinen. Es wĂ€re toll, wenn mehr und mehr Leute darĂŒber nachdenken wĂŒrden, was wirkliches ein erfĂŒlltes Leben bedeutet, wie es sich anfĂŒhlt, wenn man sich entfalten kann und was Zufriedenheit ist. Ich merke ziemlich oft in GesprĂ€chen, dass viele Leute gute Ideen und TrĂ€ume haben, sich aber oft nicht trauen, diesen nachzujagen. Das Hamsterrad, Bedenken und etwas Angst vor einem Leben ohne doppelten Boden, lĂ€sst oft das ânach-den-Sternen-greifenâ in weite Ferne rĂŒcken. Wir haben vor genau 10 Jahren, genau das auĂer Acht gelassen und sind einfach losgefahren. Haben auf unsere Herzen, unser BauchgefĂŒhl gehört, auf`s Leben vertraut und auf die Hoffnung gebaut, dass es genau das Richtige ist, was wir tun sollten. Man lebt ja nur 1x, denke ich zumindest und da wĂ€re es doch schade, es nicht versucht zu haben ?! Irgendwie wĂŒrde ich gern denjenigen helfen wollen, die ihrem Leben eine andere Richtung geben möchten. Vielleicht gibt es ja in Zukunft neben Schmiede-und Blockbaukursen (finden wieder im August statt ;-)), auch mal Workshops in âWegfindungâ ?!
Lasst es euch gut gehen, versucht die Welt ein klein wenig besser zu machen und vielleicht sehen wir uns ja im nÀchsten Jahr ?! ...schön wÀr`s !
Es gibt einen Spruch, den ich euch noch gern mit auf den Weg geben möchte und ĂŒber den es sich lohnt, einmal nachzudenken ;
âWhen reality can destroy a dream, why can`t a dream destroy reality ?!â
In diesem Sinne auf ein gutes 2026 & âstay wild !â
Euer Micha